Erzähle uns doch, wie du zu dem Beruf Trauredner gekommen bist.

Ich hatte schon immer eine Vorliebe für Vorträge und Reden vor anderen Menschen, da es mir gefallen hat, Menschen durch Worte mitzureißen und Emotionen auszulösen. Das wurde auch im Außen erkannt und so legte mir eine Weddingplannerin ans Herz, dass der Beruf Traurednerin wie für mich gemacht sei.

So fing ich 2012 an, mich damit zu beschäftigen und intensiv auseinanderzusetzen. Wie stelle ich mir das vor? Was erwarten Paare von mir? Wie wird man diesem so enorm wichtigen Moment gerecht? Wie erreicht man nicht nur das Paar, sondern auch die Gäste?

Und so entstanden die ersten Ideen und ich schrieb meine erste Rede. Die erste Buchung folgte im Sommer 2013 und ich hielt meine erste Traurede und war unglaublich nervös. Alles lief großartig.

Das Paar war glücklich und als der Brautvater mit Tränen in den Augen mir die Hand reichte und sich für die wunderschönen Worte bedankte, da wusste ich, dass ich meine Berufung gefunden hatte.

So startete ich mit vier Trauungen im ersten Jahr und bin nun bei 40-50 Trauungen im Jahr. Wobei ich sehr selten zwei an einem Tag mache. Es ist mein Hauptjob und ich liebe ihn!

 

Wie läuft so ein Tag mit dir ab, wenn du für die Hochzeitszerermonie gebucht wurdest?

Traurednerin Yvonne Lukowski, Trauredner Chiemsee, Freie Trauung, Heiraten in den Bergen

Morgens nach dem Aufstehen lese ich mir die Zeremonie noch einmal durch, um mich ganz in die Geschichte rein zu versetzen und sie genau vor Augen zu haben.

Ich suche mir mein Outfit aus, was zu 80% – außer mein Schrank gibt es nicht her- dem Farbmotto der Hochzeit entspricht. Ich bin mir bewusst, Gast auf einer Hochzeit zu sein und so richte ich mich auch her.

Ich fahre mit Zeitpuffer zur Location und komme dort eine Stunde vor der Zeremonie an. Und diese Stunde benötige ich auch.

Dort angekommen, baue ich meine Mikrofonanlage auf, mache einen Soundcheck mit den Musikern oder der Musik vom Band und bespreche den Ablauf.

Die Utensilien, die wir für die Zeremonie brauchen, wie zum Beispiel die Ringe, Kerze, Wunschkisten, Sand oder andere Dinge, werden von mir eingesammelt. Ich stelle sicher, dass wirklich alles da ist und drapiere alles hübsch auf dem Altartisch. Manchmal fehlt Blumendeko oder eine Tischdecke und das kann ich so nicht auf sich beruhen lassen. Es soll doch schließlich  schön sein.

Sehr oft verrücke ich auch noch die Bänke oder Stühle, weil es nicht ordentlich steht oder das Paar die ganze Zeit in die Sonne schauen müsste.  Hin und wieder ist auch der Gang zu schmal für das wundervolle Kleid der Braut – und der Papa soll ja auch noch daneben passen. Dann kümmere ich mich auch darum.

Mein Hintergrund als Hotelfachfrau und die Arbeit in einer Eventagentur lassen mich hier einen weiten und aufmerksamen Blick haben.

15 min vor Beginn der Trauung bitte ich die Gäste Platz zu nehmen, stelle mich vor und erkläre kurz den Ablauf. Oftmals gibt es auch Berührungsängste, die ich dadurch schon nehmen kann, denn die wenigsten waren schon einmal auf einer freien Trauung.

Da natürlich viele nervös sind, besonders Trauzeugen, Mamas und Brautjungfern, bin ich der Ruhepol, der sagt, dass alles gut wird und ich sie ein bisschen an der Hand nehme.

Dann gehe ich zur Braut, die weiß, dass sie auf mich warten soll, um zu vermeiden, dass sie los geht, wenn noch nicht alles bereit ist. Der Brautvater und sie bekommen letzte Instruktionen, denn der Moment des Brauteinzugs und der Übergabe soll ein ganz Besonderer sein, den alle genießen und auskosten.

Und dann geht’s endlich los. Der Bräutigam steht da und die Musik beginnt. Die Braut kommt den Weg entlang und es entsteht dieser einzigartige Zauber, der beide nur jeweils den anderen sehen lässt. Einfach wundervoll. Und wenn die Emotionen dann sogar die Männer übermannt, dann ist es die Liebe, die in der Luft liegt.

Ich führe durch die Zeremonie, erzähle sehr viel von den beiden. Wir lachen, wir weinen und machen all die tollen Dinge, die sich das Paar im Vorfeld ausgesucht hat.

An manchen Stellen muss auch ich den Klos im Hals wieder runterschlucken. Doch das lässt mich wissen, dass ich immer noch mit jedem Paar mitfühle und mich so sehr freue, dass da zwei Menschen stehen, die sich lieben und ihr Leben mit dem anderen verbringen möchten.

Nach ungefähr 45-60 Minuten darf ich dann endlich sagen: Du darfst die Braut jetzt küssen!

Nachdem das Paar und die Gäste gegangen sind, packe ich meine Sachen zusammen.

Ich stoße mit dem Paar auf ihr Glück an, drücke sie einmal ganz fest und fahre dann mit einem Lächeln nach Hause.

Traurednerin Yvonne Lukowski, Trauredner Chiemsee, Freie Trauung, Heiraten im Chiemgau

 

Wie viel Zeit sollte das Brautpaar am Tag der Hochzeit ungefähr für die Trauung und alles drum herum einplanen?

In der Regel dauern meine Zeremonien 45 bis 60 Minuten, bei einer Traufe – also Trauung und Taufe zusammen – auch mal 80 min. Es gibt auch Paare, die es kürzer haben wollen und danach richte ich mich dann natürlich. Ich empfehle immer die gewünschte Ankunft der Gäste 30 min vor Beginn der Zeremonie zu kommunizieren, um etwas Puffer zu haben.

 

Beschreib uns in wenigen Sätzen die wichtigsten Eigenschaften deines Service.

Die Paare sollen das Gefühl haben, in den besten Händen zu sein. Nicht nur in Bezug auf die Professionalität und Erfahrung, sondern auch in puncto Vertrauen. Sie vertrauen mir sehr persönliche und intime Dinge an und die heißt es ganz besonders zu behandeln und mit Feingefühl in eine Rede umzuwandeln, in der sich die beiden wiederfinden und mit einem Lächeln und Tränchen ihrer Geschichte lauschen.  Sie sollen sagen können: Genau so habe ich mir das immer vorgestellt.

95% der Paare haben zum Zeitpunkt der Anfrage noch überhaupt keinen Schimmer, wie ihre Trauung aussehen soll und kann. Ich bringe die notwendige Erfahrung mit und versorge sie mit jeder Menge Ideen und unterstütze, wo ich kann. Auch Trauzeugen, Familienmitglieder oder Freunden, die etwas beitragen möchten.

 

Was sollten Brautpaare bezüglich einer freien Trauung beachten?

Zu beachten ist in jedem Fall, dass eine freie Trauung nicht rechtlich bindend ist. Der Gang zum Standesamt ist also so oder so notwendig. Wichtig finde ich auch, dass es immer eine gute Schlecht-Wetter-Alternative gibt, denn das Wetter kann man leider nicht beeinflussen.

Und je nachdem, wie wichtig trotzdem noch der kirchliche Aspekt ist, sollte man sich für einen freien Theologen/in oder freien Redner/in entscheiden.

Unbedingt auch immer dem Bauchgefühl folgen bei der Entscheidung für einen Trauredner/in. Dieser Moment ist so unglaublich wichtig und besonders und er ist nicht zu wiederholen. Zumindest an dem Tag nicht. Es sollte ein einzigartiges Erlebnis sein mit dem das Paar in diesen besonderen Tag startet.

Sicher ist das Budget auch wichtig und manchmal nicht sehr dehnbar, aber es sollte nicht der Hauptentscheidungsgrund sein.

 

Welche anderen Serviceleistungen können die Brautpaare bei dir noch dazu buchen?

Ich mache auch freie Taufen oder Traufen – die Kombination aus beidem. Beides in deutsch und englisch oder zweisprachig. Kleine Teile der Zeremonie auch auf italienisch. Auf Wunsch übernehme ich auch die „Moderation“ über den Tag hinweg und kümmere mich darum, dass der Ablauf funktioniert und alles vorbereitet ist.

Darüber hinaus stehe ich gerne zur Verfügung zum Schreiben von Reden, die im Laufe des Tages gehalten werden.

Traurednerin Yvonne Lukowski, Trauredner Chiemsee, Freie Trauung, Heiraten im Chiemgau

 

Wieviel Planungszeit muss man ungefähr einrechnen, wenn ein Brautpaar dich für seine Hochzeit buchen möchte?

Natürlich ist es schön, wenn man mehrere Wochen oder Monate Zeit hat, gerade um den Fragebogen zu beantworten, der mit 26 Fragen nicht gerade kurz ist. Je mehr drin steht und je detaillierter, desto persönlicher und individueller wird die Trauung. Auch die Elemente wie Musik, Rituale u.a. brauchen Zeit, wenn es das sein soll, was genau zum Paar passt.

Es gibt zwei Treffen, eines davon kann schon mal drei Stunden umfassen. Für Fragebogen und die restlichen Dinge würde ich sagen 2-3 Tage, wenn man die Zeit am Stück hätte.

Es hängt natürlich auch immer vom Brautpaar ab, wie schnell man bei diesen Dingen ist und wieviel sonst noch zu tun ist.

Definitiv muss bei einer freien Trauung mehr vorbereitet werden als bei einer kirchlichen oder standesamtlichen Trauung. Da sind viele Paare dann doch überrascht, wie umfangreich das ist.

Die kürzeste Vorbereitungszeit, die ich je hatte, waren 14 Tage. Das ging auch, war aber ganz schön intensiv.

 

Welche Trends siehst du in deinem Bereich für die kommende Hochzeitssaison?

Der Trend zu Hochzeiten für die Nebensaison November bis April werden häufiger. Ich denke es liegt zum großen Teil daran, dass der Trend freie Trauung generell enorm zunimmt und nicht alle Locations das anbieten können. Somit sind manche Location 1-2 Jahre im voraus ausgebucht für die Sommermonate, so dass Paare auf die anderen Monate ausweichen, um nicht so lange warten zu müssen.

Auch andere Wochentage werden tendenziell mehr.

Und jedes Jahr gibt es ein Dekothema, dass beliebt ist. Vintage/Boho war absolut 2017 und auch 2018. Ich bin gespannt, was es 2019 sein wird.

glückliches Brautpaar, Traurednerin Yvonne Lukowski, Trauredner Chiemsee, Freie Trauung, Heiraten im Chiemgau